Auf der 20. Conference on Retroviruses and Opportunistic Infections (CROI) in Atlanta berichteten amerikanische Wissenschaftler am 4. März 2013 über einen besonderen Fall der frühen Behandlung einer HIV-Infektion bei einem Säugling. Vor und unter der Geburt wurden in diesem Fall keine HIV-Medikamente bei der Mutter zur Verhinderung einer MTCT eingesetzt, da ihre HIV-Infektion nicht bekannt war. Zwei Tage nach der Geburt wiesen Ärzte jedoch das HI-Virus beim Kind nach und entschieden, sofort mit einer HIV-Therapie des Kindes zu beginnen. Die Virusmenge im Blut des Kindes war danach über Monate nicht nachweisbar. Als das Kind nach mehr als einem Jahr wieder beim Arzt vorgestellt wurde, hatte die Mutter die Therapie des Kindes beendet. Zur großen Überraschung der Ärzte war keine Virusvermehrung von HIV im Kind nachweisbar. Es fanden sich nur noch winzige Mengen von HIV, das sich in die DNA des Kindes eingenistet hat. Die Autoren des Fallberichts feiern diesen Erfolg als eine Heilung von HIV, andere Wissenschafter zögern noch, von einer Heilung zu sprechen. Sie sind nicht sicher, ob eine ausreichende Beseitigung von HIV gelungen ist bzw. wirklich eine etablierte HIV-Infektion bestanden hat. Unabhängig von der unterschiedlichen Interpretation der vorgestellten Daten, möchte die DAIG darauf hinweisen, dass trotz dieses Fallberichts derzeit keine Möglichkeiten für eine Heilung von HIV bestehen. Vielmehr kann das Absetzen erfolgreicher HIV-Therapien - vor allem bei Kindern –  mit Risiken für die Betroffenen verbunden sein.

Wie wird die Mutter-Kind-Übertragung von HIV verhindert?

Die Verhinderung der Mutter zu Kind Übertragung von HIV (engl. mother to child transmission, MTCT)  ist entscheidend für die Realisierung des Kinderwunsches HIV-positiver Paare und trägt darüber hinaus wesentlich zur Begrenzung der globalen HIV-Epidemie bei. Durch den rechtzeitigen Einsatz von antiretroviralen Medikamenten gemäß z.B. den deutsch-österreichischen Empfehlungen (Ref) lässt sich eine MTCT fast immer vermeiden. Weltweit stehen leider nicht allen HIV-positiven Schwangeren diese Möglichkeiten zur Verfügung. MTCT von HIV führt in vielen afrikanischen Ländern noch immer zu zahlreichen HIV-Infektionen von Neugebornen. Infektionen unter der Geburt werden in Deutschland jedoch fast nur noch bei Schwangeren beobachtet, deren HIV-Infektion nicht oder zu spät diagnostiziert wurde, und bei denen deshalb keine adäquaten Maßnahmen zur Verhinderung der MTCT ergriffen werden konnten. Deshalb sollte allen Schwangeren ein HIV-Test angeboten werden.

Hier können Sie die Deutsch-Osterreichische Leitlinie zur HIV-Therapie in der Schwangerschaft und bei HIVexponierten Neugeborenen nachlesen:
Schwangerschaftsleitlinien
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