Auf Einladung des Vorsitzenden des Gemeinsamen Beirates des BMG, Herrn Prof. Schmidt und des Vorsitzenden der Deutschen AIDS-Gesellschaft, Herr Prof. Rockstroh haben sich am 22. Oktober 2009 ca. 40 Expertinnen und Experten zu einem Fachgespräch zum Thema „HIV-Testung in Deutschland“ getroffen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Medizin, Public Health und Ethik/Recht und repräsentierten Kliniken, Schwerpunktambulanzen, Aidshilfen, Betroffenenorganisationen, wissenschaftliche Institute, die Länder sowie internationale Organisationen (UNAIDS, WHO, ECDC, Europäische Kommission) folgten der Einladung nach Hannover.
Die Prävalenz von HIV-Infektionen ist in Deutschland mit ca. 0,1% relativ gering. Berücksichtigt man die Empfehlungen zum Therapiebeginn, werden ca. die Hälfte bzw. ein Drittel der HIV-Infektionen spät bzw. zu spät diagnostiziert. Zudem gelangen viele positiv getestete Patienten verspätet in eine adäquate medizinische Betreuung und können nur eingeschränkt von einer antiretroviralen Therapie profitieren. Anteilig erfolgt vor allem in Migranten aus Hochprävalenzregionen und bei Menschen mit heterosexuellem Transmissionsrisiko die HIV-Diagnose spät. In absoluten Zahlen sind Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten bei den "Spätdiagnosen" die größte Gruppe.
Die bisherige Testpraxis in Deutschland beruht überwiegend auf Klienten-initiierter HIV-Testung, die in der Regel in z. B. Gesundheitsämtern und Aidshilfen nach einer individuellen Beratung durchgeführt wird. Durch Ärzte empfohlene Tests (provider-initiated testing) erfolgen bei z. B. Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen und in Therapie- und Substitutionseinrichtungen. Ein HIV-Test bedarf der Aufklärung und Beratung durch den Arzt und der Einwilligung durch den Patienten.
Unter den Experten bestand Konsens darüber, dass neue Anstrengungen erforderlich sind, um die Testrate bei Menschen mit erhöhten Risiken für eine HIV-Infektion zu erhöhen und die HIV-Infektion rechtzeitiger zu diagnostizieren. Die aus den Arbeitsgruppen entwickelten Vorschläge zu Verbesserung der HIV-Testangebote werden derzeit für eine ausführliche Publikation zusammengestellt. Sie umfassen u.a. den Aufruf zu Maßnahmen für zielgruppenspezifische Testermutigung, den Ausbau niedrigschwelliger STI-Test- und Beratungsangebote und die Aufklärung von nicht-HIV-spezialisierten Ärzte/innen über sog. HIV-Indikatorerkrankungen, bei denen eine höhere Prävalenz von HIV-Infektionen zu erwarten ist. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) wird sich bemühen, im Kontakt mit anderen Fachgesellschaften entsprechende Fortbildungsmaßnahmen für Ärzte/innen zu implementieren.
Diskriminierung und soziale Ausgrenzung von HIV-Infizierten wirken sich demotivierend auf die HIV-Testbereitschaft aus. Innerhalb des medizinischen Versorgungssystems, beim Kontakt mit Behörden, am Arbeitsplatz und im sozialen Umfeld erfahren auch heute noch in Deutschland viele HIV-Infizierte bei der Offenlegung ihrer Infektion Diskriminierung und Ausgrenzung. Deshalb sind kontinuierliche Anstrengungen zum Abbau der Diskriminierung von Betroffenen notwendig. Diese nationalen Aktivitäten, verbunden mit den Appellen aus einer europäischen Initiative (HIV in Europe) sind Versuche, diesen Prozess voranzutreiben.
Hier können Sie das Protokoll zum Workshop nachlesen:
Empfehlungen/Expertenworkshop zur HIV-Testung
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